Pierrre Bocion - The State of Art

Südkurier, Montag, 02. Juli 2007

"Farbmethodik schafft neue Einblicke"

Pierre Bocion zeigt 20 Werke im Museum Fischerhaus -
Landschaften: Reduktion auf die Komplimentärfarben Gelb/Violett

Die Sommerausstellung im Museum Fischerhaus wurde in den vergangenen Tagen mit viel Sorgfalt und Feingefühl von Wolfram Quellmalz, dem Ex-Chefdesigner von Daimler-Benz, eingerichtet. Er traf auch die Auswahl der präsentierten Werke des in Wangen wohnhaften Künstlers Pierre Bocion.

Ruth Fuchs + Pierre Bocion im Gespräch

Ruth Fuchs, freie Journalistin, verzichtete auf eine Laudatio und entschied sich für einen Dialog vor dem Publikum mit dem Künstler. Die Fragen waren so konzipiert, dass jeweils ein Teil der Persönlichkeit von Pierre Bocion und seines Lebensweges von den Pflanzenwissenschaften über die Forschung an Universitäten (England, Australien, USA, Israel, Brasilien), bei Roche und Novartis (Pflanzenschutzmittel), der Politik und schließlich der Kunst seit 1998 den Anwesenden näher gebracht wurde. Nach dem Ausscheiden bei Novartis gründete Bocion ein eigenes Atelier, zuerst in Winterthur, wo er aufwuchs, später in Stein am Rhein und seit drei Jahren in Öhningen. Auf die Frage, ob das Kunstschaffen eine Strategie zur Lebensbewältigung wäre, war die Antwort entschieden Nein. Die künstlerische Arbeit betrachtet der Künstler als kleinen Beitrag zur Kultur seines Umfeldes. Für ihn selber sei es eine intellektuelle Aktivität, die ihm Freude bereitet, bereichert und ausfüllt. Fuchs skizzierte das umfangreiche Werk, das im Internet (www.bocion.net) dokumentiert ist und fragte nach der Motivation. Als Legastheniker denkt Bocion in Bildern. Er denkt und generiert Neues gerne: Als Forscher, Künstler, Politiker, beim Philosophieren und Leserbriefe-Schreiben - im März 2007 waren es 500 seit 1962.

Die Malerei steht im Vordergrund, weil er Farben liebt, gerne neue Farben auf der Palette kreiert und sich ihrer philosophischen Aura bedient. Langeweile ist ihm fremd und das so genannte Ausruhen und Nichtstun auch. Bilder, ob abstrakte, surrealistische oder gegenständliche, zu erfinden, zu gestalten und mit sprachlich ausformulierten Gedanken in Texten zu illustrieren ist für ihn etwas Mystisches, Geheimnisvolles, Wunderbares, Motivierendes.

Die Landschaftsmalerei sei doch eher eine künstlerische Arbeitsweise des 19. Jahrhunderts, postulierte Ursula Fuchs und fragte, warum Landschaften so prominent vertreten seien und warum die reduzierte Farbwahl von Gelb-Violett? Von 1986 bis 2000 arbeitete Bocion oft im Freien. Später produzierte er selber Fotos und setzte sie im Atelier in Bilder (Öl auf Leinwand oder Holz) um. Das Foto hat den Vorteil, dass ein bestimmter Licht oder Wolkenzustand festgehalten werden kann. Die Landschaft interessiert ihn als integrierender Lebensraum für Flora, Fauna und die anorganische Materie auf diesem Planeten. Die Reduktion der Landschaft und Portraits auf die Komplementärfarben Gelb/Violett ist neu. Die Farbmethodik schafft andere Einblicke, Wahrnehmungen und Erfahrungen.

Portraits von berühmten Persönlichkeiten bearbeitet der Künstler seit drei Jahren. Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer, Musiker oder Päpste wurden mit Öl auf Holz gemalt, wobei er große Formate wählte. Die Auswahl der Personen geschah intuitiv; es sind Menschen, mit denen der Maler übel die Medien oder persönlich vertrau ist und deren Arbeit er schätzt.