Pierrre Bocion - The State of Art

Pfingsten 2006

Der Heilige Geist vom Himmel kommend, über die Jünger ausgegossen, das Thema dieser schriftlichen Arbeit, der das Pfingstbild, mit Farbstiften gemalt, voranging. Der Abschluss der nachösterlichen Zeit. Die Jünger von Christus, seine engsten geistigen Begleiter im Nahen Osten, erhalten eine besondere, einmalige Kraft, Weisheit mit Hilfe des Heiligen Geistes. Eine Energie, die Berge versetzt, so beschreibt es die Bibel. Wie lässt sich ein übersinnliches Ereignis auf einem weißen Blatt Papier mit einer Dimension von 30x40 cm mit Farbstiften darstellen? Ein schwieriges Unterfangen in einer Zeit, wo Extreme auseinander driften: Fundamentalismus respektive Gottlosigkeit, Verneinung der Religionen oder Ausleben eines Lebens in Wellness. Das Letztere ein enormes Geschäft mit der Langeweile.

Im Mittelpunkt des Geschehens und des Bildes die passiven, verängstigten Jünger, wartend auf das, was wohl kommt. Elf schlanke rote Figuren, in Gruppen beisammen stehend, sich berührend, Mut machend und sich gegenseitig Schutz gebend vor dem überirdischen Ereignis. Der Heilige Geist kommt vom Jenseits herab, als gelborange farbiger Blitz dargestellt, ein Sinnbild für geballte Energie. Das Ganze in der freien Natur - ungeschützt.

Pfingsten, der Anfang einer weltweiten Mission des Christentums. Als Erlösung des Menschen geplant, der Überwindung der vorgegebenen Angst. Bis heute selten erfolgreich, ein nicht erreichtes Ziel. Ohne einen evolutiven Schritt zum Punkt Omega, wie das Teilhard de Chardin später formulierte - nicht erreichbar. Mit verbaler Überzeugungsarbeit lässt sich ein Leben, wie es im Neuen Testament formuliert wird, in dieser Welt nur in Ausnahmefällen annähernd einrichten. Trotz allen moralischen, geistigen Misserfolgen der Menschheit in ihrer Geschichte lohnt es sich, geistige Anstrengungen täglich von neuem zu unternehmen. Einen geistigen Reichtum anzustreben. Immer wieder zu definieren, was einem selber in der Tiefe seines Ich wohl tut. Das Ich weiterentwickeln bis ans Ende der Tage, wo es in eine andere Energieform, neu organisiert, übertritt. Der letzte Schritt lässt sich passiv oder aktiv erwarten und erleben. Pfingsten ein Anfang zu geistig Neuem.

Die Kunst hat in allen Religionen eine wichtige Aufgabe. Mit Linien, Flächen, Formen und Farben historische Tatsachen oder das Überirdische, das Gedachte anzusprechen, sichtbar, erlebbar zu formulieren, zu gestalten und im besten Fall ein Kunstwerk hervorzubringen, das über Jahrhunderte nachwirkt. Die Gesellschaft befruchtet, zum Denken anregt. Zum Glück sind religiöse Fragen in jüngster Zeit wieder ein Thema, das öfters von Künstlern aufgegriffen, mit den gestalterischen Mitteln der Zeit umgesetzt wird.

Kunst und Christentum haben in der westlichen Welt wichtige Beiträge zur Stabilisierung des Lebens zu leisten. Es ist bedroht von Stress am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Freizeit, von Drogen, Armut. Die christlichen Feste sind ein guter und wichtiger Anlass sich geistig aufzurüsten, Lebenskraft und Zuversicht zu schöpfen - ganz besonders für die Kultur-schaffenden. Pfingsten ist die Krönung des Christseins auf diesem Planeten. Eine Chance, die jeder packen kann, wenn er von ihr erfährt und sich entscheidet, sie zu ergreifen.